Freitag, 18. september 2009
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Im Laufe dieser Buchbesprechung will ich mich hüten, derselben leidenschaftlichen Verbohrtheit anheim zu fallen, die dem fanatischen Fan Duncan in Juliet,
Naked zum sozialen Verhängnis wird. Nick Hornby's Romane Slam, How To Be Good und ganz
besonders High Fidelity machten mich zu einem großen Bewunderer des britischen Musikexperten, Pop-Poeten und Fußballfans. Da
noch ein Mindestmaß an Objektivität zu wahren, erfordet viel Disziplin. Ich verspreche aber, mein Bestes zu geben.
In Juliet, Naked erzählt Nick Hornby vom Schicksal des Zweck-Pärchens Duncan und Annie, das Auge in Auge mit der ersten Midlife Crisis im Sumpf der Trivialität zu
ersticken droht. Auch die von Duncan inizierte Pilgerreise aus einem verschlafenen englischen Kaff heraus nach Amerika schafft kaum Abhilfe - besteht doch Duncans einzige Motivation darin, den
kümmerlichen Spuren seines größten Idols und des mittlerweile von der Bildfläche verschwundenen Tucker Crowe nachzujagen. Crowe war irgendwann
einmal so etwas wie ein Rockstar, dessen Anhängerschaft sich nunmehr aus fünfzehn besessenen Fans zusammensetzt, die kaum Besseres zu tun haben, als täglich ihr vermeintlich geballtes
Expertenwissen über ein Online-Message-Board kundzutun.
Als Annie eines Tages nicht mehr in der Lage ist, Duncans Ignoranz und Selbstgefälligkeit zu ertragen, wagt sie es, ihre ganz persönliche Meinung zu Tucker Crowes kurz vor der Veröffentlichung
stehenden Demo-Albums über das geliebte Message-Board ihres (in Folge dessen entsetzten) Freundes zu verbreiten. Doch wer hätte schon ahnen können, dass sich der verschollen geglaubte Tucker Crowe
in Annies Worten endlich verstanden fühlt und sich bei ihr meldet ...
Mehr soll von der Geschichte nicht verraten werden und zumindest für die folgenden Zeilen will ich meine Objektivitätsgarantie ein wenig zurückfahren. Denn an der Stelle müssen einige
persönliche Worte zu Juliet, Naked einfach raus. Nick Hornby's frischt veröffentlichtes Werk strotzt nur so vor poetischen Bildern und
verblüffend authentischen Einblicken in die Fankultur. Während Juliet, Naked erzählerisch viele Parallelen zu How To Be
Good aufzeigt, so fühlt man sich doch auch irgendwie an High Fidelity erinnert. Wobei der Blick auf ausgeprägten
Musikenthusiasmus hier ungleich kritischer ausfällt. Das erstaunliche Einfühlvermögen in seine eigenen Charaktere und die bildhafte Darstellung von Resigniertheit, Banalität und Tristesse rufen bei
mir an der Tastatur großen Respekt, in gleicher Weise aber auch Entmutigung hervor. Wie muss ein Autor wohl gestrickt sein, um so schreiben zu können? Und wie ist es möglich, dass
ich mich als Leser in jeder der grundverschiedenen Personen ein wenig wiederfinde?
Mein (wieder etwas besonneners) Fazit: Falls jemand den Eindruck gewonnen haben sollte, es handle sich
hier um einen schwer verdaulichen Brocken pessimistischer Literatur, den will ich beruhigen. Kein bisheriger Hornby brachte mich so oft und so herzhaft zum
Lachen wie Juliet, Naked, dessen 360 Seiten wie im Fluge vergingen. Zwar fehlt mir eine Vergleichsmöglichkeit, jedoch machte auch die Übersetzung einen hervorragenden
Eindruck. Wer sich dem Schreibstil des Briten zugeneigt fühlt, der darf in diesem Fall blind zugreifen (was aufgrund des sehr gelungen Covers aber keine Notwendigkeit darstellt).
Über diesen Link habt
ihr die Möglichkeit, Nick Hornby's Juliet, Naked versandkostenfrei zu bestellen und Fiddler's Blog zu unterstützen. Dankeschön!
Und vielen Dank auch an alle Leser, die Larry Doyle's Ich liebe Dich, Beth Cooper bestellt haben. Dan Brown's The Lost Symbol (Das verlorene Symbol) wurde gestern geliefert und sobald ich
damit durch bin, folgt selbstverständlich die nächste Buchrezension. Ich freue mich übrigens über jede Meinung zu den besprochenen Romanen, hinterlasst einfach einen
Kommentar!
von Daniel
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